Nur durch eine Gewebeuntersuchung kann Prostatakrebs sicher diagnostiziert werden. Die Biopsie der Prostata wird ambulant durchgeführt und ist wenig belastend.
Eine effektive Behandlung bei Prostatakrebs kann nur auf der Basis einer genauen Diagnose stattfinden. Um die Erkrankung sicher nachweisen zu können, muss eine Gewebeprobe entnommen werden. Deshalb wird bei einem Verdacht auf Prostatakrebs eine Biopsie der Prostata durchgeführt.
Um Gewebe für die Untersuchung durch den Pathologen zu gewinnen, gibt es zwei verschiedene Biopsieverfahren, die beide ambulant durchgeführt werden können:
Der Zugang zur Prostata erfolgt bei beiden Verfahren entweder durch den Damm (transperineal) oder über den Enddarm (transrektal). Die Lage der Biopsienadel wird während der Entnahme über eine Ultraschallsonde überwacht. Das Standardverfahren heutzutage ist die transrektale Prostatastanzbiopsie unter Ultraschallkontrolle (TRUS, siehe Abbildung 1). Für die Stanzbiopsie spricht, dass an Gewebe eine genauere Diagnose möglich ist als an Zellmaterial. Ein Zugang durch den Damm zur Prostata birgt zwar ein geringeres Infektionsrisiko, dafür ist der Zugang über den Enddarm nahezu schmerzfrei und oft ohne Betäubung möglich.

Abb. 1 Stanzbiopsie der Prostata über den Enddarm. Unter Ultraschallkontrolle wird mittels einer Hohlnadel die Gewebeprobe entnommen (modifiziert nach einer Abbildung des Prostatakarzinomzentrums Koblenz).
Vor der Biopsie wird Ihr Urologe Sie ausführlich zu Ihrer Vorgeschichte befragen, um etwaige Begleiterkrankungen oder Risikofaktoren wie Allergien o. Ä. zu erfahren. Bei der transrektalen Biopsie wird außerdem prophylaktisch ein Antibiotikum gegeben, um eine Infektion durch Darmkeime zu vermeiden. Gegebenenfalls kann eine Entleerung des Enddarms durch ein Abführmittel oder Klistier erforderlich sein.
Zur Gewebeentnahme werden eine so genannte Stanzpistole und zur Sichtkontrolle eine Ultraschallsonde in den Enddarm eingeführt. Nach einem standardisierten Schema werden nun mindestens 6 fadendünne und wenige Zentimeter lange Stanzzylinder entnommen (Sextantenbiopsie). Die Entnahme erfolgt aus dem rechten und linken Prostatalappen jeweils harnblasennah, harnblasenfern und aus der Mitte. Zusätzlich werden Gewebeproben aus verdächtigen Arealen oder Knoten entnommen. Die Leitlinien zum Prostatakarzinom empfehlen die Entnahme von mindesten 10 Stanzzylindern.
Es wird empfohlen, sich nach der Biopsie 1-2 Tage körperlich zu schonen. Relativ häufig verspüren die Patienten an den Tagen nach dem Eingriff ein leichtes Druckgefühl. Bei etwa der Hälfte der Patienten kommt es zum Abgang geringer Blutmengen mit Urin, Ejakulat oder Stuhl. Dies kann bis zu einer Woche nach dem Eingriff andauern. Bei stärkeren oder länger anhaltenden Blutungen sollten Sie sich an Ihren Arzt wenden. Schwere Komplikationen wie eine Infektion durch Darmbakterien oder ein Harnverhalt sind sehr selten.
Bestätigt sich bei der Untersuchung der Verdacht auf ein Prostatakarzinom, so bestimmt der Pathologe die Art und Bösartigkeit des Tumors. Sind die Biopsien entsprechend dem Ort Ihrer Entnahme gekennzeichnet, lässt sich außerdem bestimmen, wo der Tumor genau liegt. Da die Biopsie immer nur Teile der Prostata erfassen kann, lässt sich eine Aussage über die Ausdehnung des Tumors aber erst nach der Entfernung der Prostata (Prostatektomie) treffen.
Ist kein krankhaftes Gewebe nachweisbar, kann dies entweder bedeuten, dass kein Tumor vorliegt oder dass dieser nicht erfasst wurde. Sprechen andere Untersuchungsergebnisse (Ultraschall, PSA-Wert etc.) weiterhin für ein Prostatakarzinom, so sollte eine erneute Biopsie (Rebiopsie) erfolgen.