Früherkennung des Prostatakarzinoms

08.09.2008

Im Gegensatz zu den meisten bösartigen Organerkrankungen kann das Prostatakarzinom durch die PSA-Bestimmung im Blut und durch die rektalen digitalen Untersuchung in einem frühen Stadium festgestellt werden.

ErkennungJeder Mann in Deutschland kann heute ab dem 45. Lebensjahr einmal jährlich das gesetzliche Früherkennungsprogramm in Anspruch nehmen. Bisher tut das nur etwa jeder sechste Mann regelmäßig. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Programms ist die Untersuchung der Prostata und die Bestimmung des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) im Blut auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms.

 

Tasten ist eine Möglichkeit

Leider wird im Rahmen des Früherkennungsprogramms nur eine Untersuchung angeboten und von den Kassen bezahlt, die der Mediziner als digitale rektale Untersuchung (DRU oder DRE) bezeichnet: Die DRE ist die älteste Methode der Früherkennung. Diese Untersuchung sollte unbedingt ein Arzt durchführen, der damit Erfahrung hat (am Besten ein Urologe). Dabei nutzt der Arzt die enge Nachbarschaft zwischen Prostata und Enddarm, indem er den Zeigefinger in den Enddarm einführt und die Rückseite der Prostata tastet. Schon kleine Unregelmäßigkeiten (Verhärtungen, nicht Vergrößerung sind verdächtig) der Oberfläche sind so festzustellen.

Ergibt sich aus der Untersuchung der Verdacht auf ein Prostatakarzinom, muss eine ultraschallgestützte Stanzbiopsie der Prostata (mind. 6 Proben) durch einen Urologen vorgenommen werden. Nach der Entnahme von Gewebe aus der Prostata wird dies dann mikroskopisch auf das Vorliegen von Tumorzellen untersucht.

 

PSA-Wert kann Aufschluss geben

Seit dem Jahre 1988 kann das Prostata-spezifischen Antigens (PSA) im Blut bestimmt werden ("Der Marker PSA"). Dieser Tumormarker ist in der Vorsorge der DRE überlegen; die Kombination von PSA-Bestimmung und DRE hat die höchste Erkennungsrate für das Vorliegen eines Prostatakarzinoms. Diese Bestimmung im Blut wird allerdings derzeit in Deutschland von den Krankenkassen nicht im Rahmen der Früherkennung, sondern nur bei der Nachsorge bezahlt.

Die meisten Erfahrungen und Daten zur Früherkennung mit dem PSA liegen in den USA vor. Seit dem Jahre 1991 werden durch das PSA "Screening" bei der Erstdiagnose wesentlich mehr lokalisierte Prostatakarzinome ohne Metastasen erfasst als vor der PSA-Einführung (85% sind lokal oder regional begrenzt; USA, Jahr: 2002).

PSA ist wahrscheinlich der beste Tumormarker in der Medizin, aber leider auch kein vollkommener Marker. Erhöhte PSA-Werte finden sich auch bei z.B. gutartigen Prostataerkrankungen oder -entzündungen. Andererseits haben nicht alle Prostatakarzinom-Patienten einen erhöhten PSA-Wert bei der Diagnose.

 

Spezialisten sind bei der Vorsorge gefragt

Trotz dieser Einschränkung sollte bei wiederholter Messung (zweifach) eines erhöhten PSA-Wertes im Serum (Grenzwert 4 ng/ml) eine ultraschallgestützte Stanzbiopsie der Prostata (mind. 6 Proben) durch einen Urologen vorgenommen werden. Dieser Grenzwert ist jedoch vom verwendeten Testsystem abhängig.

Entscheidend für eine sinnvolle Prostatakarzinom-Vorsorge ist, dass die PSA-Messung und die DRE von einem erfahrenen Spezialisten, d.h. in der Regel von einem Urologen durchgeführt wird. Nur ein solcher Spezialist ist im Stande, die Ergebnisse richtig zu interpretieren und notwendige Folgeuntersuchungen zu veranlassen.

 

Selbsttests sind zu ungenau

Die Messung des PSA im Blut mit Teststreifen bzw. Schnelltesten (zum Teil in der Apotheke erhältlich) kann wegen zu großer Ungenauigkeit nicht empfohlen werden.

Der transrektale Ultraschall kann als alleinige Vorsorgeuntersuchung nicht empfohlen werden, da zu viele Prostatakarzinome übersehen werden. Bei der Entnahme von Proben aus der Prostata (Stanzbiopsie) ist er jedoch unersetzlich.

 

Autor: BSMO
Stand: 08-09-2008

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