Neue Forschungsansätze und vielversprechende Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen stimmen hoffnungsvoll: Diagnose und Behandlung des Prostatakrebses werden sich zukünftig noch weiter verbessern.
Obwohl in der Behandlung des Prostatakrebses heutzutage bereits hochmoderne Therapieverfahren angewendet werden, stehen Prostatakarzinome immer noch an dritter Stelle der krebsbedingten Todesursachen in Deutschland. Doch die Forschung schreitet schnell voran. Wissenschaftler arbeiten an vielen verschiedenen Fronten, um den Krebs der Vorsteherdrüse noch früher zu entdecken und noch besser behandeln zu können.
So gibt es neue Erkenntnisse über den PSA-Wert (Prostata-spezifisches Antigen), die zu einer genaueren und schnelleren Diagnose führen sollen. Bisher setzen Ärzte auf die Einzelbestimmung des PSA-Wertes im Urin. Studien legen jedoch nahe, dass die PSA-Anstiegsgeschwindigkeit gegenüber dem einzelnen PSA-Wert eine viel größere prognostische Aussagekraft zu besitzen scheint. Zur Bestimmung der PSA-Anstiegsgeschwindigkeit dienen mindestens zwei PSA-Werte, die im jährlichen Abstand gemessen wurden. In einer großen bevölkerungsbezogenen Untersuchung erwies sich dies vor allem bei der Identifizierung von Hochrisiko-Patienten als vorteilhaft.
Daneben erproben Mediziner einen neuen molekulargenetischen Urintest, der die Suche nach einem Tumor verfeinern soll. Er kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn die Gewebeprobenentnahme (Biopsie) trotz erhöhtem PSA-Wert negativ ausfällt. Dieser sogenannte PCA-3-Test kann dann eine Entscheidungshilfe sein, ob eine weitere Biopsieserie notwendig ist oder nicht.Der Test weist das PCA-3-Gen nach, das ausschließlich von Prostatazellen gebildet wird. Sind die Zellen bösartig verändert, produzieren sie bis 100-fach mehr PCA-3 als normalerweise. Dieser Test steht bisher nur in wenigen Kliniken und urologischen Praxen zur Verfügung und muss von den Patienten meist selbst bezahlt werden.
Ein weiteres Früherkennungsverfahren gründet darauf, dass im Prostata-Gewebe von Krebspatienten eine andere Gen-Aktivität vorherrscht als bei gesunden Männern. Mithilfe der sogenannten Microarray-Technologie fanden Wissenschaftler fünf Gene, deren Aktivität anzeigt, ob sich in der Prostata ein Tumor gebildet hat - und zwar unabhängig davon, ob die Gewebeprobe Tumorzellen enthält oder nicht. Es besteht Hoffnung, dass Prostata-Tumoren mit solchen genetischen Tests in Zukunft wesentlich verlässlicher nachweisbar sind als bisher.
Auch bei den bildgebenden Verfahren gibt es Fortschritte, die die Früherkennung künftig erleichtern sollen. Forscher aus Heidelberg kombinieren dazu zwei verschiedene Verfahren miteinander: Magnetresonanztomographie und Spektroskopie. Vor der Untersuchung erhält der Patient ein Kontrastmittel. Dadurch lassen sich anschließend bestimmte Stoffwechselvorgänge in der Prostata sichtbar machen, die eine genaue Unterscheidung zwischen gesunden und entarteten Arealen erlauben.
Urologen aus Hamburg testen derweil ein neues Ultraschallgerät, das die Elastizität von Gewebe darstellt. Bösartige Areale in der Prostata können mithilfe der sogenannten ultraschallbasierten Echtzeit-Elastographie erkannt werden, weil sie weniger elastisch sind als das umgebende gesunde Gewebe. Die Trefferquote soll im Vergleich zur herkömmlichen Tumordiagnostik um etwa 30% höher liegen. Bis die neuen Methoden jedoch zum Standard werden, sind weitere Studien zur Erprobung notwendig.
Je besser die biochemischen Prinzipien der Erkrankung verstanden werden, desto eher lassen sich auch innovative therapeutische Strategien entwickeln. Wissenschaftler aus der Grundlagenforschung verfolgen im Moment einige vielversprechende Ansätze. So haben Arbeitsgruppen aus Freiburg und Bonn entdeckt, dass ein bestimmtes Enzym das Zellwachstum von Prostatatumoren aktiviert. Eine Blockierung dieses sogenannten Enzyms PRK1, beispielsweise durch chemische Substanzen, könnte demnach das Wachstum von Prostatatumorzellen hemmen.
In therapeutischer Erprobung befindet sich ein neues Verfahren, mit dem sich ein Prostatakarzinom lokal in Schach halten lassen soll. Dabei handelt es sich um die sogenannte Magnetresonanztomographie-(MRT)-gesteuerte Galvanotherapie. Radiologen konnten die Sicherheit und Wirksamkeit in einer klinischen Studie belegen. Damit war es möglich. die Prostata in ihrer Funktion zu erhalten und gesundes Gewebe im Vergleich zu herkömmlichen Methoden gezielter vor einer Schädigung zu bewahren. Die Behandlung führt außerdem zu einer Reduktion des PSA-Wertes.
Die Galvanotherapie ist eine physikalisch-elektrische Methode. Mittels positiv und negativ geladener Elektroden wird Gleichstrom in den Tumor eingebracht. Verletzungen der umgebenden Organe wird durch eine Kontrolle mittels MR verhindert. Die eingebrachten positiv und negativ geladenen Elektroden verursachen im Gewebe starke Ionenwanderungen. Durch diese Veränderungen werden die Tumore in ihrem Wachstum gehemmt. Es kommt im Bereich der Elektroden zu einem massiven Zellsterben oder zum lokalen Verschluss von Blutgefäßen, was zu einer schlechteren Versorgung des Tumors mit Sauerstoff und Nährstoffen führt. Die Experten rechnen damit, dass die Kosten des Verfahrens nach seiner Zulassung auch von den Gesetzlichen Krankenkassen getragen werden.