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Diagnostik von Metastasen bei Prostatakrebs

05.08.2010

Prostatakrebs wird oft erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Bei der Suche nach Metastasen werden neben bildgebenden Verfahren auch Gewebe- und Laboruntersuchungen eingesetzt.

Da Prostatakrebs lange Zeit keine Beschwerden macht, wird die Erkrankung meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Oft hat der Tumor dann schon Metastasen gebildet. Diese befinden sich in den meisten Fällen in den Knochen.

Ob Metastasen vorliegen oder nicht, hat Einfluss auf das Tumorstadium. Das Tumorstadium ist das Hauptkriterium bei der Planung der Therapie, die der Patient erhalten wird. Der Diagnose von Metastasen kommt daher eine entscheidende Bedeutung zu. Hierbei spielen vor allem bildgebende Verfahren eine Rolle.

 

Schichtaufnahmen

Bei den bildgebenden Untersuchungen werden zur Diagnose von Metastasen vor allem die so genannten Schichtaufnahmen (Tomografien) eingesetzt. Die bekanntesten sind hier die Computertomografie und die Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie). Beide Verfahren beruhen auf dem Prinzip, eine Körperregion in vielen Einzelbildern aufzunehmen, die dann mithilfe eines Rechners zu einem zwei- oder dreidimensionalen Bild zusammengesetzt werden.

Die Computertomografie arbeitet mit Röntgenstrahlung, im Gegensatz zur konventionellen Röntgenaufnahme liefert sie jedoch detailliertere Ergebnisse. Allerdings ist dies auch mit einer höheren Strahlenbelastung verbunden.

Die Magnetresonanztomografie basiert auf der Messung von Magnetfeldern und kommt daher ohne Röntgenstrahlung aus. Bei dem Verfahren werden elektrisch geladene Teilchen im untersuchten Gewebe elektromagnetisch angeregt und geben dann ein Signal ab, wenn sie beim Abschalten des Magneten wieder in ihren Grundzustand zurückkehren. Die Informationen, die ein Detektor aus den verschiedenen Körperregionen erhält, werden in Bilder umgesetzt. Da das Verfahren sehr aufwendig und teuer ist, kommt es nur bei speziellen Fragestellungen zum Einsatz.

Um genauere Aussagen zu erhalten, wird bei Schichtaufnahmen häufig vor oder während der Untersuchung ein Kontrastmittel gegeben.

 

Nuklearmedizinische Untersuchungen

Nuklearmedizinische Untersuchungen beruhen auf dem Prinzip, dass unterschiedliche Gewebe einen unterschiedlichen Stoffwechsel haben. Um diesen sichtbar zu machen, werden gering radioaktive Substanzen, so genannte Tracer (engl. Spurensucher) eingesetzt. Der Tracer wird dem Patienten gespritzt, verteilt sich im Körper und wird von den Körperzellen aufgenommen. Krebszellen haben in der Regel einen höheren Stoffwechsel als die übrigen Körperzellen und lagern deshalb mehr Tracer ein. Wenn die Tracer-Substanz zerfällt, wird radioaktive Strahlung frei, die gemessen werden kann.

Nuklearmedizinische Untersuchungen haben gegenüber den anderen bildgebenden Verfahren den Vorteil, dass sie einen krankhaften Prozess nicht nur aufspüren können, sondern auch Aussagen über die Funktion eines Gewebes (Stoffwechselaktivität) erlauben. Außerdem kann mit diesen Methoden der ganze Körper erfasst werden, während tomografische Untersuchungen immer nur eine Körperregion abbilden. Die Strahlenbelastung ist in der Regel geringer als bei vergleichbaren Röntgenuntersuchungen.

 

Szintigraphie

Die Szintigraphie ist für Krebspatienten das nuklearmedizinische Standardverfahren, um nach Knochenmetastasen zu suchen. Für die Knochenszintigraphie wird der Tracer Technetium-99m Phosphonat gespritzt. Die Radioaktivität wird mit einer strahlenempfindlichen Kamera (Gammakamera) gemessen und über einen Rechner in ein Bild umgewandelt. Im Bild lässt sich die Anreicherung des Tracers als schwarzer Fleck erkennen. Allerdings führt z. B. auch eine Entzündung zu einem gesteigerten Stoffwechsel und wird daher bei einer Szintigraphie dunkel dargestellt. Deshalb muss ein verdächtiger Szintigraphiebefund immer durch andere bildgebende Verfahren abgesichert werden.

 

Darstellung eines Szintigraphiebefundes

Abb. Darstellung eines Szintigraphiebefundes (Doppelisotopentechnik 111Indium, sog. "anatomical landmarking". Abbildung von Covidien Deutschland GmbH)

 

Die Positronen-Emissions-Tomografie (PET)

Die PET beruht auf dem gleichen Prinzip wie die Szintigraphie, allerdings werden hier die radioaktiven Substanzen nicht nur angereichert, sondern von der Zelle „verdaut". Dabei werden positiv geladene Teilchen freigesetzt (Positronen-Emission), die im Gewebe mit negativ geladenen Teilchen reagieren. Diese Reaktion wird vom Gerät gemessen und in Bilder umgesetzt.

Ein Vorteil der PET gegenüber der Szintigraphie ist, dass sie bereits kleinste Veränderungen aufspüren kann. Jedoch muss ein großer Teil der für die Diagnostik notwendigen Radiopharmaka für die Untersuchung "frisch" hergestellt werden, was einen hohen Aufwand und hohe Kosten bedeutet. Sie gehört deshalb zu den teuersten bildgebenden Verfahren und ist nicht überall verfügbar.

 

PET-CT

Die PET-CT ist das neueste und teuerste bildgebende Verfahren, allerdings liefert es auch die genauesten Aussagen. Durch die Kombination mit einer computertomografischen Untersuchung können die Befunde einer PET genau lokalisiert werden. Dies ist z. B. von großer Bedeutung, wenn eine Operation oder Gewebeentnahme geplant werden soll. Die Strahlenbelastung ist bei der PET-CT von allen genannten Untersuchungen am höchsten. Aus diesem Grund und weil die Untersuchung sehr kostenintensiv ist, wird ein PET-CT derzeit nicht routinemäßig eingesetzt.

 

Nicht-bildgebende Untersuchungen – Knochenbiopsie

Wenn mit bildgebenden Verfahren eine Metastase nicht sicher diagnostiziert oder ausgeschlossen werden kann, kann nur eine Gewebeprobe (Biopsie) Aufschluss geben. Hierzu wird mit einer Hohlnadel eine Stanzbiopsie aus dem entsprechenden Knochenbereich entnommen und einem Pathologen zur Analyse übergeben.

 

PSA-Wert kann Hinweise auf Metastasen liefern

Manchmal können auch veränderte Laborwerte einen ersten Hinweis auf das Vorliegen von Metastasen geben. Der PSA-Wert erlaubt eine eingeschränkte Aussage darüber, wie weit sich der Tumor im Körper bereits ausgebreitet hat. Liegt der PSA-Wert unter 10 ng/ml ist der Tumor meist noch auf die Prostata begrenzt. Bei höheren Werten ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass der Tumor die Organgrenzen bereits überschritten und Metastasen gebildet hat. Diese Werte sind allerdings nur Richtwerte, aussagekräftiger sind im Einzelfall Veränderungen des PSA-Werts im Verlauf der Erkrankung.

 

Bei verdächtigen Symptomen zum Arzt

Die aktuellen Leitlinien sehen keine regelmäßige Suche nach Metastasen vor. Nur wenn der Patient über Beschwerden berichtet, werden entsprechende Untersuchungen durchgeführt.

Es ist deshalb besonders wichtig, dass Sie sich selbst beobachten und sich an Ihren Arzt wenden, wenn Sie Veränderungen bemerken, die auf Metastasen hindeuten könnten.

Meist sind Schmerzen der erste Hinweis. Durch die krankhaften Auf- oder Abbauprozesse bei Metastasen wird die schmerzempfindliche Knochenhaut in Mitleidenschaft gezogen, was als Knochenschmerz wahrgenommen wird. Das ist auch der Grund, weshalb bei der körperlichen Untersuchung in der Nachsorge das Abtasten und Abklopfen von Wirbelsäule und Becken so wichtig ist. Ist die Untersuchung schmerzhaft, kann dies ein Hinweis auf Knochenmetastasen sein. Manchmal kann der Schmerz aber auch durch geschädigte oder gereizte Nerven verursacht werden.

Neben Knochenschmerzen können aber auch folgende Symptome Hinweise auf Knochenmetastasen sein:

  • Schwellungen im Bereich von Knochen
  • Knochenbrüche
  • Gefühlsstörungen und Lähmungen

Quelle: Patientenratgeber: Knochenstark bei Metastasen
Stand: 08.07.2010
Autor: Michaela Spaeth-Dierl

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