Tumorzellen können über die Blut- oder Lymphgefäße in andere Organe und Gewebe, zum Beispiel den Knochen, einwandern und dort Metastasen bilden.
Den Knochen erreichen die Tumorzellen über den im Inneren des Knochens gelegenen Knochenmarksraum. Dieser ist gut durchblutet und bietet den Tumorzellen damit gute Wachstumsbedingungen. Als Folge der Knochenmetastasen kann es beim Patienten zu Skelettkomplikationen wie z.B. Knochenbrüchenkommen. Im Röntgenbild lassen sich im wesentlichen zwei verschiedene Typen von Knochenmetastasen unterscheiden:
Osteolytische Metastasen sind vor allem durch einen Abbau von Knochengewebe gekennzeichnet, osteoblastische (bzw. osteosklerotische) Metastasen zeigen hingegen einen überschießenden Knochenaufbau (der aber nicht die normale Knochenstruktur besitzt). Daneben gibt es Mischformen, die beide Typen aufweisen. Die Skelettmetastasen beim Prostatakarzinom sind zu 95% osteosklerotisch, der Rest ist gemischtförmig.
Die Knochenmetastasen beim Prostatakarzinom bestehen somit in den meisten Fällen aus überschüssigem neuen Knochengewebe, das durch Osteoblasten gebildet wird. Dieses neue instabile Knochenmaterial befindet sich auch nicht in den Abbaustellen sondern wird abseits davon um die Tumorzellen herum abgelagert. Diese abnorme Knochenablagerung führt folglich nicht zu einer Stärkung, sondern zu einer Schwächung des Knochens und ist wahrscheinlich vor allem für das Auftreten von Brüchen in der Wirbelsäule verantwortlich. Außerdem verursacht das überschüssige Knochenwachstum Schmerzen und kann beispielsweise im Bereich der Wirbelsäule auch zu einer Einengung des Wirbelkanals führen. Die damit einhergehende Quetschung des Rückenmarks kann Symptome einer Querschnittslähmung nach sich ziehen.
Der Grund für die gesteigerte Knochenbildung liegt im regen "Informationsaustausch" zwischen den eingewanderten Tumorzellen und den Osteoklasten bzw. Osteoblasten: Metastatische Tumorzellen können selbst nicht den Knochen angreifen, sie setzen zahlreiche lösliche Faktoren frei, die den Aufbau von neuem Knochen durch Osteoblasten stimulieren. Andere Faktoren wirken auf die Tumorzellen selbst zurück und verstärken noch deren ohnehin überschießenden Wachstumsimpulse. So aktivieren sich Tumorzellen und Knochenumbauzellen gegenseitig und dadurch entsteht ein Teufelkreis von Metastasenwachstum und übermäßig gesteigerter Knochenneubildung.
Komplikationen osteolytischer Knochenmetastasen, wie sie etwa bei Lungen- oder Brustkrebs häufig auftreten, können schon seit einiger Zeit sehr gut mit Medikamenten, den Bisphosphonaten, behandelt werden, die insbesondere die Aktivität von Knochen abbauenden Osteoklasten hemmen. Osteoblasten, die bei den Knochenmetastasen des Prostatakarzinoms die Hauptrolle spielen, sprachen lange Zeit auf diese Substanzen nicht an. Eine neue Substanz aus der Klasse der Bisphosphonate bietet nun aber hervorragende Möglichkeiten, auch die Komplikationen osteoblastischer Metastasen wirksam zu behandeln.