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Die Prostata ist Entstehungsort gut- und bösartiger Erkrankungen. Grundkenntnisse über Aufbau und Funktion des Organs sind hilfreich, um Beschwerden und Behandlungsmöglichkeiten dieser Erkrankungen besser zu verstehen.
Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes, die gutartige Vergrößerung der Prostata (benigne Prostatahyperplasie) ist die häufigste urologische Erkrankung bei Männern. Die Lage der Prostata im Körper, ihr Aufbau und ihre Funktion spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung typischer Beschwerden gut- und bösartiger Erkrankungen und bei deren Behandlung. Diese Grundlagen können Ihnen als Patient sehr nützlich sein, um Ihre Erkrankung besser zu verstehen.
Die Prostata, im Deutschen auch als Vorsteherdrüse bezeichnet, liegt im Becken zwischen der Unterseite der Harnblase und dem Beckenboden (siehe Abb. 1). Sie umschließt den Anfangsteil der Harnröhre. Nach hinten grenzt sie unmittelbar an die Wand des Enddarms, nach vorne ans Schambein. Aufgrund dieser Lage lassen sich Gewebeproben aus der Prostata gut über den Enddarm oder den Dammbereich entnehmen. Links und rechts oberhalb der Prostata liegen die Samenblasen, deren Ausführungsgänge sich mit den Samenleitern des Hodens zu je einem Ductus ejaculatorius (lat. ductus = Gang) vereinigen, der von oben in die Prostata eindringt und in der Harnröhre mündet.
Abb. 1: Lagebeziehungen der Prostata zu anderen Organen und Strukturen im Becken.
Die Prostata gehört zu den Geschlechtsdrüsen des Mannes. Sie besteht aus ca. 40-50 Einzeldrüsen, die in Binde- und Muskelgewebe eingelagert sind, was ihr die typische derb-elastische Konsistenz verleiht. Die Ausführungsgänge dieser Drüsen münden in die Harnröhre. Eine gesunde Prostata hat in etwa die Größe und Form einer Kastanie. Durch die Harnröhre wird sie in einen rechten und einen linken Prostatalappen geteilt, anatomisch unterscheidet man weiterhin:
Diese Begriffe spielen vor allem dann eine Rolle, wenn beschrieben werden soll, wo in der Prostata sich ein bösartiger Tumor befindet.
Etwa in der Mitte der Prostata erweitert sich die Harnröhre, hier befindet sich der so genannte Samenhügel (Colliculus seminalis), eine leichte Erhebung in der Harnröhrenschleimhaut, auf dem die Ausführungsgänge der Prostatadrüsen und die von Samenblasen und Hoden münden (siehe Abb. 2).
Das Sekret, das die Prostatadrüsen absondern, macht ca. 60-70 % der Samenflüssigkeit aus. Es hat vor allem die Aufgabe, das Sperma dünnflüssig zu machen und die darin enthaltenen Samenzellen am Leben zu halten. Das Sekret enthält unter anderem einen Eiweißstoff, das Prostataspezifische Antigen (PSA), das im Blut bestimmt werden kann und Hinweise auf gut- und bösartige Erkrankungen der Prostata liefern kann.
Blutversorgung und Lymphabfluss der Prostata erfolgen über die Gefäße im Bereich der Harnblase und des Enddarms. Die Nerven der Prostata stammen vorwiegend aus dem so genannten „vegetativen (autonomen) Nervensystem". Das vegetative Nervensystem unterliegt nicht unserer Kontrolle und leitet auch keine Informationen wie zum Beispiel Schmerz in unser Bewusstsein. Von diesen Nerven werden beispielsweise die Erektion und die Harnblasenfunktion gesteuert. Bei einer operativen Entfernung der Prostata können sie verletzt werden, was erklärt, warum es bei vielen Patienten zu teils vorübergehenden, Erektionsstörungen und Harnträufeln (Inkontinenz) kommt.
Nimmt man die Harnröhre als Bezugspunkt, so lassen sich an der Prostata drei verschiedene Zonen unterscheiden (siehe Abb. 2).

Abb. 2: Zoneneinteilung der Prostata.
Aus dieser Zoneneinteilung erklärt sich, warum Prostatakrebs oft sehr spät erkannt wird: Ein bösartiger Tumor entsteht häufig in der Außenzone der Drüse. Beschwerden wie zum Beispiel häufiger Harndrang und Schwierigkeiten beim Wasserlassen treten aber erst dann auf, wenn der Tumor die Innenzone oder die Mantelzone der Prostata erreicht hat und es zu einer Einengung der Harnröhre kommt. Die gutartige Größenzunahme der Prostata (benigne Prostatahyperplasie) findet dagegen meist in den inneren Zonen der Prostata statt und kann deshalb ebenfalls Ursache für die genannten Beschwerden sein.