An das Ende der Tumortherapie schließt sich die Phase der Nachkontrolle an. Dies ist wichtig, um möglichen Komplikationen vorzubeugen oder Rezidive frühzeitig zu erkennen. Nachsorge bedeutet aber auch Unterstützung bei der psychischen Krankheitsverarbeitung.
Jeder Mensch hat seine individuelle Strategie im Umgang mit Extrembelastungen. Dabei spielen persönliche Erfahrungen und soziokulturelle Einflüsse zusammen. Ist das männliche Selbstbild von Werten wie Leistung und Erfolg dominiert, und prägt das Motto „Ein Indianer kennt keinen Schmerz" den Umgang mit Krankheit, so ist plausibel, dass viele Männer es vorziehen, sich so wenig wie möglich mit ihrer Krebserkrankung zu beschäftigen. Hinzu kommt, dass im Rahmen der Prostatakrebs-Therapie häufig auch Tabuthemen wie Inkontinenz und Erektionsstörungen bewältigt werden müssen.
Zu den Aufgaben des behandelnden Arztes gehört daher neben der rein medizinischen Nachkontrolle auch die psychische Nachbetreuung des Patienten. Gemeinsam können Probleme, die im Zusammenhang mit Prostatakrebs und dessen Behandlung auftreten, besser verarbeitet werden. Auch Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen oder Lebenspartner können eine große Unterstützung sein.
Medizinische Nachsorge bedeutet Nachkontrolle über lange Zeit, egal ob nach einer Operation, nach einer Strahlentherapie oder im Rahmen einer antihormonellen Behandlung. Auch wenn der Tumor komplett entfernt werden konnte und Hoffung auf Heilung besteht, ist ein Krankheitsrezidiv nicht vollständig ausgeschlossen.
In erster Linie wird nach einer Operation oder Strahlenbehandlung der Therapieerfolg überprüft, d.h. festgestellt ob das Karzinom vollständig entfernt werden konnte. Beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom bedeutet Nachsorge vor allem Komplikationen zu erkennen bzw. zu vermeiden,
z. B. infolge von Knochenmetastasen oder durch Druck des Tumors auf umgebende Organe und Gewebe.
Die Nachkontrolle soll aber auch gewährleisten, dass Begleiterkankungen festgestellt und gelindert werden, oder dass ein Rezidiv frühzeitig erkannt und entsprechend rasch behandelt wird.
Neben den tumorspezifischen Kontrollen kümmert sich der Arzt auch um das Allgemeinbefinden und die Lebensqualität des Patienten, d.h. um Probleme wie Inkontinenz und Erektionsstörungen und deren psychische Folgen. Es kann übrigens hilfreich sein, sich alle auftauchenden Fragen rund um das Krankheitsgeschehen zu notieren und mit seinem Arzt während der Nachsorgeuntersuchung darüber zu sprechen.
In den ersten zwei Jahren nach der Tumortherapie sind ärztliche Kontrolluntersuchungen in drei - bis sechsmonatigen Abständen vorgesehen. Dabei sind das Therapieverfahren (Operation, Bestrahlung, Hormontherapie) und der Therapieerfolg, der allgemeine Gesundheitszustand und eventuelle Begleiterkrankung für die Häufigkeit der Kontrolltermine entscheidend. Zugleich bieten Kontrolluntersuchungen aber auch die Chance mit dem Arzt über psychosoziale Aspekte wie Lebensqualität, Lebens- und Berufsbedingungen zu sprechen.
Im dritten bis fünften Jahr werden die Intervalle zwischen den einzelnen Untersuchungen immer länger. Wie häufig der Arzt seinen Patienten nachuntersuchen möchte, hängt von der individuellen Situation und dem Krankheitsverlauf ab. In vielen Fällen reicht dann eine Untersuchung pro Jahr aus.
Je nachdem wie weit der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose fortgeschritten war und welches Therapieverfahren eingesetzt wurde, sind Aufwand und Umfang der einzelnen Nachsorgeuntersuchungen unterschiedlich. Die Untersuchungen folgen keinem standardisierten Programm, sondern werden vom Arzt individuell zusammengestellt.
Treten Beschwerden wie Knochenschmerzen oder „rheumaartige" Schmerzen auf, so sollten Patienten ihren Arzt auch unabhängig von einem Nachsorgetermin konsultieren. Denn im fortgeschrittenen Stadium kann das Prostatakarzinom zu Skelettmetastasen führen, die oft die Ursache für Knochenschmerzen sein können. Hierdurch besteht ein erhöhtes Risiko für Knochenfrakturen, die bei Wirbelkörpereinbrüchen im ungünstigsten Fall zu Lähmungen führen. Diesen Komplikationen kann mittels Bisphosphonat-Therapie vorgebeugt werden.