Die Brachytherapie stellt eine besondere Variante der Strahlenbehandlung dar: Die Strahlungsquellen werden dabei in Form von kleinen Kapseln direkt in das kranke Gewebe eingebracht.
Bei der Strahlenbehandlung (Radiotherapie) von Prostatakrebs kommen hochenergetische Strahlen zum Einsatz, die genau auf den Tumor gerichtet werden und diesen unter größtmöglicher Schonung des umliegenden Gewebes zerstören sollen. Während bei der konventionellen Radiotherapie die Bestrahlung von außen mit speziellen Geräten erfolgt, werden bei der sogenannten Kurzdistanzbestrahlung oder auch Brachytherapie kleine Strahlungsquellen direkt in das Prostatagewebe eingebracht und die Bestrahlung erfolgt dadurch sozusagen "von innen".
Die sogenannte Prostata-Spickung, bei der kleine radioaktive Kapseln über eine Hohlnadel in das Prostata-Gewebe eingebracht werden, wurde bereits in den achtziger Jahren entwickelt. Mediziner bezeichnen diese Kapseln mit dem englischen Begriff Seeds. Diese enthalten radioaktive Substanzen wie Jod oder Palladium, verbleiben in der Regel etwa neun Monate lang in der Prostata und geben während dieser Zeit radioaktive Strahlung an das umgebende Gewebe ab.
Der Vorteil dieser Methode besteht darin, dass vor Ort eine deutlich höhere Strahlungsintensität erreicht werden kann als durch eine externe Strahlungsquelle. Auf der anderen Seite ist die Reichweite nur kurz, sodass bei einer großen Prostata die Gefahr einer unregelmäßigen Verteilung der Strahlung besteht, wodurch eventuell nicht alle Tumorzellen erfasst werden.
Die exakte Positionierung der Seeds ist für den Behandlungserfolg der Brachytherapie mitentscheidend. Bereits im Vorfeld der Implantation werden die Prostata und die umliegenden Organe wie Darm und Blase daher mithilfe von dreidimensionalen Ultraschallaufnahmen vermessen. Die dabei ermittelten Daten dienen dazu, Lage und erforderliche Anzahl der Seeds zu bestimmen, um eine maximale Wirkung auf den Tumor bei gleichzeitiger Schonung der gesunden Umgebung zu gewährleisten.
Bei der Einpflanzung der Strahlungsquelle schiebt der Arzt eine Hohlnadel vom Damm her bis zur berechneten Stelle in die Prostata vor und legt die Kapsel dort ab. Dies geschieht unter Voll- oder Teilnarkose. Während der Prozedur und nach Einbringen aller Seeds wird das Ergebnis der Brachytherapie mittels Ultraschall kontrolliert.
Für das Einsetzen der Seeds kann ein kurzer Krankenhausaufenthalt nötig sein. Nach der Entlassung sollte der Patient, zumindest in den ersten Tagen, engen körperlichen Kontakt mit Kindern oder Schwangeren vermeiden, um diese keiner unnötigen Strahlenbelastung auszusetzen. Da die Reichweite der eingepflanzten Strahlungsquellen aber sehr gering ist, muss in der Regel keine Bleischürze getragen werden. Genaue Anweisungen zum richtigen Verhalten mit implantierten Seeds gibt der betreuende Strahlentherapeut.
Neben der dauerhaften Implantation von strahlenden Seeds besteht die Möglichkeit, eine externe Radiotherapie mit der Kurzdistanzbestrahlung zu kombinieren. Bei diesem sogenannten Nachladeverfahren (engl. "Afterloading") werden unter Voll- oder Teilnarkose Hohlnadeln an vorher genau berechnete Positionen in der Prostata vorgeschoben, über die dann computergesteuert eine Bestrahlung mit dem radioaktiven Element Iridium erfolgt.
Diese Nadeln werden im Gegensatz zu den oben erwähnten Seeds nur für kurze Zeit im Organ belassen und nach der Behandlung wieder herausgezogen. In Kombination mit einer Bestrahlung von außen stellt das Nachladeverfahren auch bei größeren Prostatakrebs-Geschwüren eine Alternative zur Operation dar.
Die Frage, ob die Brachytherapie oder eine Operation das bessere Behandlungsergebnis verspricht, hängt von vielen Faktoren ab und kann nur vom behandelnden Arzt für jeden Patienten individuell beantwortet werden. Gefürchtete Nebenwirkungen der operativen Therapie wie ein Verlust der Fähigkeit, Urin zurückhalten zu können (Inkontinenz) oder Impotenz sind leider auch bei der Brachytherapie nicht auszuschließen. Eine genaue Nutzen-Risiko-Abwägung sollte daher der von Arzt und Patient gemeinsam getroffenen Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Therapiemethode vorausgehen.
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