Männer, denen im Rahmen der Krebsbehandlung die Prostata entfernt wurde, leiden häufig unter Harnverlust (Inkontinenz). Dabei kann in verschiedenen alltäglichen Situationen – etwa beim Lachen, Husten, Niesen oder nach längerem Gehen – unkontrolliert Harn austreten.
Die Betroffenen leiden oft sehr darunter, wird doch die Lebensqualität dadurch deutlich eingeschränkt. Gerade Männer schämen sich besonders für das Handicap und verschweigen dieses Problem sogar ihrem Arzt gegenüber. Dabei kann man Harninkontinenz behandeln. In Österreich wurde nun unter der Leitung von Dr. Wilhelm A. Hübner vom Humanis Klinikum Korneuburg eine neue Methode entwickelt, die vielen Betroffenen sehr effektiv helfen kann. Den Patienten wird eine Art künstliche Prostata eingepflanzt. Sie besteht aus zwei aufblasbaren Silikonballons, die links und rechts neben der Harnröhre positioniert und mit einem Gemisch aus Kontrastmittel und Propylenglykol aufgefüllt werden. So kann die Widerstandskraft der Harnröhre erhöht und ein ungewolltes Abgehen von Harn verhindert werden.
Der entscheidende Vorteil des Verfahrens liegt darin, dass die Flüssigkeitsmenge im Implantat über ein im Hodensack verstecktes Ventil nach den individuellen Bedürfnissen der Patienten nachreguliert werden kann, ohne das eine weitere Operation nötig wird: Einerseits soll das Implantat die Harnröhre so fest umschließen, dass kein Urin abgehen kann, andererseits muss die Blase vollständig geleert werden können. Ein Nachregulieren ist ferner nur so lange erforderlich, bis das Flüssigkeitsvolumen einmal richtig eingestellt ist
Hübner und sein Team haben die Wirksamkeit und Sicherheit des Verfahrens in einer Studie getestet. 117 Männer mit dem Prostata-Implantat wurden durchschnittlich 13 Monate lang beobachtet. Im Mittel waren nur drei postoperative Anpassungen nötig, bis das Implantat richtig eingestellt war. 67% der Männer bezeichneten sich nach abgeschlossener Behandlung als beschwerdefrei, weitere 25% berichteten von einer erheblichen Besserung der Symptome. Lediglich bei 8% der Patienten verlief die Operation nicht erfolgreich.
Wegen der guten Ergebnisse, die das Verfahren im Vergleich zu bisherigen Behandlungsmethoden erzielt, wird es weltweit nachgefragt. Jedoch kommt es nicht für alle Patienten infrage. Wenn es das konkrete Krankheitsbild erfordert, stehen dem Arzt auch andere chirurgische Verfahren zur Verfügung, beispielsweise das Schlingenverfahren oder das Anbringen einer Harnröhrenmanschette als hydraulischen Schließmuskel. Jedoch sind diese Verfahren meist nicht so effektiv oder erfordern zusätzliche Handlungen des Patienten im Alltag - wie etwa im Fall der Harnröhrenmanschette das Entleeren der Flüssigkeit vor jedem Urinieren.