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Möglichkeiten der Therapie bei Prostatakrebs im Überblick

12.12.2011

Prostatakrebs ist nicht gleich Prostatakrebs. Neben dem Stadium der Erkrankung bestimmt auch der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten, welche Behandlungsmöglichkeiten in Frage kommen.

Der Arzt hat bei Ihnen die Diagnose Prostatakrebs gestellt. Nun ist es für Sie wichtig, zu wissen, wie es nun weiter geht und wie man die Erkrankung behandeln kann.

Dies hängt besonders davon ab, wie weit die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose bereits fortgeschritten und wie aggressiv der Prostatakrebs ist. Außerdem spielen auch Ihr Alter und Ihr allgemeiner Gesundheitszustand bei der Entscheidung für die eine oder andere Therapieform eine Rolle.

 

Steckbrief des Tumors – Ausbreitung und Aggressivität

Beschwerden beim Wasserlassen, Blut im Urin oder ein erhöhter PSA-Wert bei der Früherkennungsuntersuchung können auf Prostatakrebs hinweisen. Bei Verdacht auf Prostatakrebs kann nur eine Gewebeuntersuchung (Biopsie) Gewissheit bringen.

Bestätigt die Biopsie den Verdacht, sind weitere Untersuchungen erforderlich, um die Ausbreitung des Tumors erkennen zu können. Anhand der Untersuchungsergebnisse bestimmt der Arzt, in welchem Stadium sich der Prostatakrebs befindet. Das Tumorstadium wird nach der sogenannten TNM-Klassifikation festgelegt. In der TNM-Klassifikation werden bösartige Tumorerkrankungen nach allgemein gültigen Richtlinien eingeteilt. Der Tumor erhält so einen „Steckbrief“, der dazu dient, dass alle an Ihrer Behandlung beteiligten Ärzte die gleichen Informationen bekommen, und wissen, um was für einen Tumor genau es sich handelt.

Weiterhin kann anhand der Gewebeproben bestimmt werden, wie aggressiv der Tumor wächst. Ein Maß hierfür ist das sogenannte Grading. Der Tumor wird in Grad 1–4 eingeteilt, Grad 1 ist am wenigsten aggressiv, Grad 4 am stärksten.

 

Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten bei Prostatakrebs

Abhängig vom Stadium der Erkrankung und von persönlichen Faktoren kommen folgende Behandlungsmöglichkeiten in Frage:

  • Die Operation
  • Die Strahlentherapie
  • Die Antihormontherapie
  • Die Chemotherapie
  • Abwarten – keine Therapie

Wann und für wen welches Therapieverfahren in Frage kommen kann, erfahren Sie im Folgenden.

 

Die Operation

Ziel der operativen Entfernung der Prostata (Prostatektomie) ist es, das Tumorgewebe vollständig aus dem Körper zu entfernen und die Erkrankung dadurch zu heilen. Gelingt dies, spricht man von einer R0-Resektion (R für Resttumor). Es gibt verschiedene Operationstechniken und verschiedene Zugangswege zur Prostata. Neben offen-chirurgischen Verfahren kommt in manchen Fällen auch ein minimal-invasiver Eingriff in Frage. Die Operation kann über einen Bauchschnitt oder vom Dammbereich aus erfolgen.

 

Die Strahlentherapie

Alternativ zur Operation kann eine Strahlentherapie durchgeführt werden. Die Strahlentherapie kommt vor allem für Patienten in Frage, bei denen aus gesundheitlichen Gründen keine Operation möglich ist.[1] Das Prinzip der Strahlentherapie ist es, die Krebszellen durch radioaktive Strahlung so stark zu schädigen, dass sie sich nicht mehr vermehren können und absterben. Bei Prostatakrebs kommen zwei Arten der Strahlentherapie zur Anwendung:

Bei der perkutanen Strahlentherapie wird der Tumor von außen „durch die Haut“ (lat. per = durch, lat. cutis = Haut) bestrahlt. Sie ist zur Erstbehandlung bei Prostatakrebs geeignet.[3] Bei der Brachytherapie (griech. brachys = kurz, nah) wird die Strahlenquelle in die Nähe des Tumors gebracht. Hierzu werden z. B. kleinste Strahlungsquellen direkt in die Prostata eingesetzt.

Die Strahlentherapie kann auch zusätzlich zur Operation, zur Behandlung von Metastasen oder zur Schmerztherapie eingesetzt werden.

 

Die Antihormontherapie

Ist eine Heilung im fortgeschrittenen Krankheitsstadium nicht mehr möglich, kommt eine Antihormontherapie (oder auch Hormonentzugstherapie) in Frage.[1] Das männliche Geschlechtshormon Testosteron fördert das Wachstum der Prostatakrebszellen. Ziel der Antihormontherapie ist es deshalb, die Bildung bzw. Wirkung von Testosteron zu hemmen. Man unterscheidet zwei Formen der Antihormontherapie:

  • Therapien, die die Bildung von Testosteron unterdrücken
  • Therapien, die die Wirkung von Testosteron an den Tumorzellen blockieren

Die Testosteronbildung lässt sich auf zwei Wegen unterdrücken: Durch die Entfernung der Hoden (Orchidektomie) oder durch die Gabe von Medikamenten. Die Wirkung von Testosteron an den Krebszellen kann durch Medikamente blockiert werden.

 

Die Chemotherapie

Eine Chemotherapie wird beim Prostatakarzinom meist erst angewendet, wenn alle anderen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind. Denn generell lässt sich Prostatakrebs nicht sehr gut durch eine Chemotherapie behandeln.[3] Die sogenannten Zytostatika, also Medikamente, die das Wachstum von Tumorzellen hemmen, wirken vor allem auf Zellen, die sich schnell teilen. Prostatakrebs schreitet aber im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen eher langsam fort.

 

Nicht immer ist eine Behandlung nötig

Bei sehr kleinen und langsam wachsenden Tumoren kann der Arzt zunächst eine „Aktive Überwachung“ (engl. Active Surveillance) empfehlen. Denn diese Tumoren machen dem Betroffenen u. U. sehr lange gar keine Beschwerden. Die Entwicklung des Tumors wird in regelmäßigen Abständen überwacht, eine Therapie muss erst dann eingeleitet werden, wenn der Tumor in ein fortgeschrittenes Stadium übergeht. [3, 4]

Selbst dann, wenn der Prostatakrebs bereits in einem Stadium ist, in dem keine Heilung mehr möglich ist, macht die Erkrankung dem Patienten unter Umständen wenig Beschwerden. [3, 4] In diesen Fällen kann der Arzt ein „Beobachtendes Zuwarten“ (engl. Watchful Waiting) empfehlen. Im Gegensatz zur Active Surveillance werden keine regelmäßigen Untersuchungen durchgeführt. Eine Behandlung wird erst begonnen, wenn die Erkrankung dem Patienten Beschwerden verursacht, denn hier geht es nicht um Heilung, sondern darum, eine möglichst hohe Lebensqualität zu erhalten.

Quellen:
[1] Homepage der deutschen Krebsgesellschaft: http://www.krebsgesellschaft.de/db_prostatakrebs_therapie,4288.html
[2] Deutsche Gesellschaft für Urologie (Hrsg.): Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, http://www.aezq.de/mdb/downloads/dgurologie/prostatakarzinom-lang.pdf 2009
[3] Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU): Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, September 2009
[4] Deutsche Krebsgesellschaft e.V. (DKG): Prostatakrebs I – Ein evidenzbasierter Patientenratgeber zur S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, November 2009

Aktualisiert: 22.11.2011
Autoren: Kathrin Sommer, Dr. Ruth Wissler, aktualisiert durch Michaela Spaeth-Dierl

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