Prostata-Behandlung und Sexualfunktion – Maßnahmen bei beeinträchtigter Funktion

15.12.2009

Bei der Behandlung von Prostatakrebs sind oftmals Therapieformen notwendig, die die Sexualfunktionen beeinträchtigen können. Um Abhilfe zu schaffen, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Bei Prostatakrebs können nach der Behandlung die Potenz, die Fruchtbarkeit oder das sexuelle Verlangen beeinträchtigt sein. Um die Erektionsfähigkeit zu verbessern, gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Sexualität nach der TherapieDurch die Behandlung von Prostatakrebs kann es zu einer Beeinträchtigung der Sexualfunktion kommen. Viele Männer fühlen sich durch diese Veränderungen zumindest in der ersten Zeit stark verunsichert. Folgende Aspekte der Sexualität können beeinflusst werden:

  • Die Fruchtbarkeit (Fertilität): Fertilität bedeutet, dass sich im Ejakulat ausreichend befruchtungsfähige Samenzellen (Spermien) befinden. Die Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit infolge der Krebstherapie kann entweder die Spermien selbst oder das Spermien-produzierende Hodengewebe betreffen.
  • Das sexuelle Vermögen (Potenz): Der Begriff Potenz bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch die Fähigkeit zum Beischlaf. Der wichtigste Aspekt ist hierbei die Erlangung und der Erhalt einer Erektion. Insbesondere durch eine operative Therapie kann es diesbezüglich zu starken Einschränkung bis hin zum völligen Verlust der Erektionsfähigkeit kommen.
  • Das sexuelle Verlangen (Libido): Libido bezeichnet das Bedürfnis nach geschlechtlichen Handlungen, wobei das Spektrum dieser Handlungen vom einfachen Wunsch nach Nähe bis zum Vollzug des Beischlafes reicht. Die Libido ist also gewissermaßen die Sexualität im Kopf. Sie unterliegt wesentlich dem Einfluss von Sexualhormonen und wird deshalb hauptsächlich durch die Antihormontherapie beeinflusst.

Verschiedene Behandlungen wirken sich unterschiedlich auf die Sexualität aus

Zur Behandlung von Prostatakrebs stehen verschiedene Therapieansätze zur Verfügung, die sich auf unterschiedliche Weise auf die Sexualität der Patienten auswirken können:

Behandlung Kann Auswirkungen haben auf
Operation: Entlang der Prostata verlaufen Nerven, ohne die eine Erektion nicht möglich ist. Abhängig von der Ausdehnung des Krebses können diese Nerven bei der Operation zum Teil geschont werden. Dennoch ist ein vorübergehender oder anhaltender Verlust der Erektionsfähigkeit eine häufige Operationsfolge. Erektionsfähigkeit
Strahlentherapie: Mit modernen inneren und äußeren Bestrahlungstechniken ist es heutzutage möglich, die Strahlenwirkung sehr gezielt einzusetzen und somit größtenteils auf den Tumor zu beschränken. In der Regel sind Impotenz und Harninkontinenz daher nur selten Folgen dieser Behandlung. Häufig dagegen führt die Strahlentherapie zum Verlust der Fruchtbarkeit. Fruchtbarkeit
Chemotherapie: Die Chemotherapie wird bei Prostatakrebs meist nur als Behandlung der zweiten Wahl eingesetzt, wenn die Hormontherapie keine Wirkung zeigt (hormonrefraktär). Hinsichtlich der Sexualität wirkt sich die Chemotherapie hauptsächlich auf die Fruchtbarkeit aus. Fruchtbarkeit
Antihormontherapie: Durch die Antihormonwirkung wird der wachstumsfördernde Effekt von männlichen Geschlechtshormonen (Androgene, insbesondere Testosteron) auf den Prostatakrebs unterdrückt. Dazu wird entweder die Produktion der Hormone unterdrückt (Hodenentfernung, Drosselung der Hormonproduktion durch Medikamente) oder die Wirkung der Hormone auf den Tumor unterbunden (Gabe von Antiandrogenen). Als Folge der Behandlung geht das sexuelle Verlangen der Patienten oft stark zurück oder erlischt ganz. Libido


Hilfen bei Störungen der Erektionsfähigkeit

Neben dem Gespräch mit dem Lebenspartner sollten die Betroffenen auch eine Beratung durch ihren behandelnden Urologen anstreben. Denn es gibt verschiedene medikamentöse und technische Möglichkeiten die Erektionsfähigkeit zu verbessern oder wieder herzustellen. Die wichtigsten Methoden sind:

  • Erektionstraining: Die Erektionsfähigkeit ist in gewissem Umfang von regelmäßiger „Übung" abhängig. Gerade bei voraussichtlich vorübergehender Störung der Erektionsfähigkeit, etwa in den ersten Monaten nach einer nervenerhaltenden Prostata-Entfernung, empfehlen Urologen den Patienten, mehrmals pro Woche zu versuchen, eine Erektion hervorzurufen. Dadurch sollen die Regulationsmechanismen der Penisdurchblutung trainiert werden, die die Voraussetzung für eine Erektion sind.
  • SKAT (Schwellkörperautoinjektionstherapie): Bei dieser Behandlungsmethode injiziert sich der Patient vor dem Geschlechtsverkehr ein Medikament in den Schwellkörper des Penis, das zu einer längere Zeit anhaltenden Erektion führt;
  • Vakuumpumpe: Um eine Erektion zu erzielen, wird mit Hilfe einer Saugpumpe ein Unterdruck im Penis erzeugt. Dadurch schießt Blut in den Schwellkörper ein und bewirkt die Erektion. Diese wird durch einen über den Penisschaft gestreiften Gummiring gesichert, der den Abfluss von Blut - und damit das Erschlaffen des Glieds - verhindert, wenn die Pumpe abgestellt wird;
  • Hydraulisches Penisimplantat: In den Penis werden durch eine Operation künstliche Schwellkörper eingesetzt, die sich von außen zur Schwellung bringen und wieder abschwellen lassen.
  • Erektionsunterstützende Medikamente: Es gibt Medikamente in Tablettenform mit kurz- bis langfristiger Wirkungsdauer. Wegen ausgeprägten Wechselwirkungen mit z. B. blutdrucksenkenden Medikamenten, sind diese jedoch nicht für jeden Patienten geeignet. Desweiteren gibt es auch lokal wirksame Medikamente in Tablettenform, die in die Harnröhre eingeführt werden können.

Quellen:
Deutsche Krebshilfe: Die blauen Ratgeber. Nr. 17. Prostatakrebs. Juni 2009.
Couper JW, et al.: The psychosocial impact of prostate cancer on patients and their partners. MJA 2006; 185: 428-432.
Stand: 01.11.2009
Autor: Jan Groh/Michaela Spaeth-Dierl

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