Nach der Diagnose einer Krebserkrankung stürmt eine Vielzahl von Gefühlen und Gedanken auf den Betroffenen ein. Alles bisher Gewohnte wird infrage gestellt und der Alltag mit dem Krebs zur großen Herausforderung.
Prostatakrebs gehört zu den Krebsarten mit den höchsten Überlebensraten. Frühzeitig erkannt sind die Chancen auf dauerhafte Heilung mittlerweile sehr gut. Und auch Patienten im fortgeschrittenen Stadium können mit dem Krebs inzwischen oftmals eine lange Zeit gut leben. Trotzdem bedeutet die Diagnose für die Betroffenen einen großen Einschnitt in ihr Leben.
Die Diagnose trifft die meisten völlig unvorbereitet, die Zukunft erscheint auf einmal ungewiss. Und in dieser schwierigen Lage sollen Betroffene dann noch einen klaren Kopf bewahren und Therapieentscheidungen treffen, Nebenwirkungen und Prognosen abwägen. Kein Wunder, dass viele damit überfordert sind.
Sich gründlich zu informieren ist ein wichtiger Schritt, um Ängste abzubauen. In den meisten Fällen bleibt genügend Zeit dafür, denn Prostatakrebs wächst normalerweise recht langsam. Je mehr über die Krankheit und ihre Behandlung in Erfahrung gebracht wird, desto besser. Das Wissen beseitigt nicht nur das Gefühl, dem Krebs machtlos ausgeliefert zu sein, sondern gibt dem Patienten auch die Möglichkeit, selbst über den Verlauf mitzubestimmen.
Dennoch muss man sich auch damit auseinandersetzen, dass Krebs eine chronische Erkrankung ist. Ängste vor Rückfällen oder dem Fortschreiten der Krankheit können das Leben im weiteren Verlauf bestimmen und psychisch sehr belastend sein. Und auch die Behandlungsfolgen, besonders die Einschränkungen der Sexualität oder eine Inkontinenz, können sich negativ auf das Selbstwertgefühl und die Stimmung von Prostatakrebspatienten auswirken.
Die Bewältigung solcher Krankheitsfolgen braucht Zeit. Um mit Ängsten fertig zu werden, gibt es verschiedene Möglichkeiten. So kann es hilfreich sein, der Angst durch Schreiben, Malen oder mit anderen kreativen Mitteln Ausdruck zu verleihen. Sich schwierige Situationen zu vergegenwärtigen, die man bereits erfolgreich durchgestanden hat, stärkt das Gefühl für die eigene Kraft.
Anspannung als Begleiterscheinung der Angst kann mit Entspannungsverfahren oder körperlicher Bewegung abgebaut werden. Nicht zuletzt sollte man den angenehmen Seiten des Lebens mehr Gewicht geben: die eigenen besonderen Fähigkeiten schätzen lernen, sich auf den Sinn des Lebens besinnen und so weit als möglich neue Ziele in Angriff nehmen. Der Partner und das soziale Umfeld sollten dabei nicht ausgeschlossen werden, denn auch sie sind von der Erkrankung mitbetroffen. Und die Unterstützung fällt diesen nahestehenden Personen umso leichter, je mehr Anteil sie an den Gefühlen des Patienten haben.
Hilfreich kann auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Patienten sein: Sie wissen am besten, wie einem zumute ist und können eigene Strategien gegen die Angst vermitteln. Hier bieten sich Selbsthilfegruppen oder Selbsthilfeinitiativen an. Manchmal gibt es im Verlauf einer Krebserkrankung allerdings Phasen, in denen die Belastung so groß wird, dass zur Krankheitsbewältigung die eigenen Kräfte und auch die Unterstützung durch Angehörige und Freunde nicht mehr ausreichen. Werden Ängste zu massiv oder ist die Lebensfreude gänzlich abhanden gekommen, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.
Die Angst, tatsächlich auch psychisch krank zu sein, ist in den meisten Fällen nicht berechtigt. Doch wenn der Körper krank ist, leidet auch die Seele, darauf weisen Experten hin. Die psychologische Unterstützung bekommt in der Nachsorge onkologischer Erkrankungen einen immer größeren Stellenwert. Adressen und Ansprechpartner, die Erfahrung mit der Betreuung von Krebspatienten haben, bekommen Patienten über ihre betreuenden Onkologen. Bei der Suche nach psychoonkologisch spezialisierten Psychotherapeuten hilft außerdem die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie e.V. weiter.